Die
Situation änderte sich grundlegend mit der Erweiterung der
Studienmöglichkeiten in den ersten Jahrzehnten der
Nachkriegszeit. In deren Rahmen wurde es in großem Umfang
auch den Mittelschichten ermöglicht, ein Studium aufzunehmen.
Selbst Arbeiterkinder waren fortan - wenn auch nur selten - an den
Universitäten zu finden.
Zu dieser soziologischen Neuordnung an den Universitäten gesellte sich die fehlende Aufarbeitung der Ereignisse des Zweiten Weltkriegs in breiten Teilen der Bevölkerung, ein internationales geistiges Umfeld, in denen Werte wie Freiheit und soziale Gerechtigkeit den aktuellen Zeitgeist verkörperten und nicht zuletzt der technische Fortschritt, der die Welt rasant veränderte und neue Möglichkeiten eröffnete, führten zu einem immer weiteren Auseinanderklaffen der Ideale der Studierenden mit den realen politischen Verhältnissen.
Die Studentenproteste der sechziger Jahre keimten bereits zu
Beginn dieses Jahrzehnts. Als die SPD 1961 beschloss, den
Sozialistischen Deutschen Studentenbund, der bislang die
Studentenorganisation der SPD war, aus der Parteistruktur
auszuschließen, führte dies bereits zu
großen Verwürfnissen zwischen breiten Teilen der
Studierenden mit dem politischen System, aus dem sie sich ausgegrenzt
fühlten. Ein wichtiger Punkt war auch die fehlende
Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit. Insbesondere
die Tatsache, dass viele ehemalige Nationalsozialisten in
Führungspositionen der Bundesrepublik gelangten, wurde von den
Studenten kritisiert.