Jedoch
waren die Protestaktionen zu Beginn nur sehr begrenzt. Eine
Radikalisierung fand 1967 statt, als der Student Benno Ohnesorg auf
einer Protestkundgebung von einem Mitarbeiter der Polizei erschossen
wurde. Dieser Todesfall, verstärkt durch die Mangelnde
Bereitschaft der politischen Elite, diesen Fall
ordnungsgemäß aufzuklären, führte
zu einer weitreichenden Radikalisierung der studentischen
Demonstrationen. Gewalttätige Auseinandersetzungen mit der
Polizei wurden in der Folge zur Regel. Ein weiterer Höhepunkt
wurde mit dem Mordanschlag auf den Studentenführer Rudi
Dutschke erreicht. Dutschke, der das Attentat zwar zunächst
schwer verletzt überlebte, jedoch mehr als zehn Jahre
später dessen Folgen erlag, wurde 1968 von einem offenbar
geistig verwirrten Menschen in den Kopf geschossen. Der
Attentäter wurde von den Schmähungen und Hasstiraden,
die in den Boulevardmedien veröffentlicht wurden, derart gegen
die Studentenbewegung aufgebracht, dass er sich zu diesem Schritt
genötigt fühlte.
Die Studentenproteste erreichten einen einmaligen
Höhepunkt. Universitäten wurden besetzt und
umfassende Demonstrationen durchgeführt. Jedoch zerstritt sich
die Bewegung bereits im darauffolgenden Jahr so stark zwischen den
einzelnen Gruppierungen, dass dieser umfassende Protest schnell endete.
Auch wenn die Ziele der "68er" nicht erreicht wurden, so
führten sie doch in den darauffolgenden Jahrzehnten zu einem
umfassenden Wertewandel innerhalb der Gesellschaft und sind so zu einem
großen Teil für das Wertesystem der modernen
Gesellschaft mitverantwortlich und können so, wenn auch
verspätet, als zumindest teilweise erfolgreich bezeichnet
werden.